Magdalene Sommer: Hochzeit in Lagow
Die Brautwerbung
Im Jahr 1921 wurde Magda in Zielenzig konfirmiert. Sie war fünfzehn Jahre alt, als Richard Sommer anfing bei Heinrichs einzukehren. Er selbst war bereits 23 Jahre und musste viel Geduld aufbringen, um seine große Liebe mit nach Hause zu nehmen. Bei Richards Besuchen im Heinrichschen Hotel saß er oft mit Magdas Mutter Martha in der Gaststube, aber Magda zeigte sich ungern. Sie ließ sich bitten: "Magda, nun komm doch mal und begrüße Herrn Sommer." Magda war besonders stolz darauf, dass der Herr Sommer aus Malkendorf so ausdauernd um sie warb, doch sie wusste es wohl zu verbergen. Richard Sommer war eine gute Partie. Er kam aus einer wohlhabenden Bauernfamilie, sein Vater war Bürgermeister und Amtsvorsteher. Magdas Mutter Martha war ebenfalls sehr stolz darauf, dass so ein wohlhabender junger Mann mit guten Manieren ihre Tochter verehrte und noch dazu so viel Geduld hatte. Nach sieben Jahren wendete sich die Werbung endlich zum Guten: Magda willigte in die Heirat ein. Martha und Max Heinrich kauften ihrer Tochter Aussteuer und Möbel für den Haushalt als Entlohnung für die Arbeit im Hotel.
Es wird Hochzeit gefeiert
Der Winter 1928/29 war bitterkalt. Die Temperaturen sanken unter minus 10 Grad Celsius. So wurde die Hochzeit von Magda Heinrich und Richard Sommer am 18. Dezember 1928 zur wahren Schlitterpartie. Die Braut war inzwischen 21 Jahre alt geworden und der Bräutigam mit seinen 30 Jahren ein reifer Mann. Die Hochzeit wurde im elterlichen Gasthof in Lagow gefeiert. Zu diesem besonderen Anlass gab es eine Mockturtlesuppe. Die Gäste reisten mit Schlitten an und wurden mit einem Punsch begrüßt, damit wieder Leben in ihre kalten Glieder kam. Nicht nur die Gäste hatten große Mühe mit dem Laufen auf dem Glatteis, auch die Braut musste die Zähne zusammenbeißen. Magda war eine zierliche junge Frau, die zur Hochzeit ganz der Tradition gemäß Seidenschuhe trug. "Die kleine Braut in den Seidenschuhen, sie wird in der Kirche erfrieren", so dachten die besorgten Hochzeitsgäste. In derselben Nacht wurde der Schlitten von Richard Sommer mit heißen Ziegelsteinen angewärmt, die Braut eingepackt, und ab ging es nach Malkendorf, dem Heimatort von Richard.
Rezept Mockturtlesuppe
Mockturtlesuppe ist eine Suppe, die in den zwanziger Jahren aus England kam und in Deutschland sehr begehrt war. Doch Schildkrötenfleisch für eine echte Turtlesuppe war teuer. So erfanden die Engländer eine preiswerte Alternative: die Mockturtlesuppe.
Zutaten für vier Personen:
1/2 Kalbskopf oder 500 g Knochen mit etwas Fleisch, Salz, Suppengrün, 80 g roher Schinken, 1 Zwiebel, 1 Mohrrübe, 2 Scheiben Sellerie, 50 g Butter o. Margarine, 30 g Mehl, 1 Glas Sherry, 1 El. Zitronensaft, Salz, Pfeffer, 1/2 Dose Champignons
Zubereitung:
- 1. Kalbskopf oder Knochen säubern, mit Suppengrün in leicht gesalzenem Wasser kochen, bis sich das Fleisch ablösen lässt.
- 2. Brühe durch ein Sieb geben.
- 3. In Streifen geschnittenen Schinken, gehackte Zwiebel, geschnittene Mohrrübe und Sellerie in Fett anrösten, Mehl überstäuben, anschwitzen und mit der Brühe auffüllen.
- 4. Etwa 25 Min. kochen, dann mit Sherry, Zitronensaft, Salz u. Pfeffer abschmecken, in Streifen geschnittenes Fleisch und halbierte Champignons hineingeben, nochmals 5 Min. bei schwacher Hitze durchkochen.
- 5. In Suppentassen anrichten und servieren.
Ankunft in Malkendorf
Richard Sommer pachtete in Malkendorf von der Witwe des Lehrers Christoph Rattich den Dorfkrug: Ab dem 1. Januar 1929 hießen die neuen Pächter Magda und Richard Sommer. In Witwe Rattich hatte das "kleine Frauchen", wie Magda liebevoll genannt wurde, eine erfahrene Frau, die es gut mit ihr meinte. Zwar war noch ein Mädchen als Hilfe für Haushalt und Geschäft eingestellt, aber Magda musste mit ihren 21 Jahren von nun an einem Geschäftshaushalt vorstehen. Das bedeutete eine große Herausforderung für die junge Frau. Die Malkendorfer Bauern waren größtenteils wohlhabend. Schon allein die Neugierde auf die Frau aus dem Hotel in Lagow ließ sie im schmucken Dorfkrug einkehren. Magda verwendete viel Sorgfalt auf die Einrichtung des Kruges: Ihr ganzer Stolz waren Gardinen an den Fenstern. Dazu gab es Schokolade zu kaufen, und man servierte echten Bohnenkaffee. Richard kaufte 1930 seinen ersten eigenen Wagen, ein Cabriolet. Noch im selben Jahr wurde ein Telefon installiert. Trotz dieses Wohlstandes wurde das Wasser immer noch aus der Dorfpumpe geholt. Die Wäsche musste von Hand im Kessel gewaschen werden. Status, Ansehen und gute Geschäfte bedeuteten viel Arbeit: Vorräte anlegen, Kuchen backen, Kochen, der ganze Haushalt und der Wirtsbetrieb, und die Kinder wollten auch beachtet sein. Dazu wohnte der Schwiegervater Wilhelm Sommer nur drei Häuser weiter. Er zog die Fäden im Hintergrund. Es war für Magda nicht einfach, seine Schwiegertochter aus der Stadt zu sein. Aber das Geschäft lief, und das Geld rollte nur so in die Kasse.